Ein Jahrzehnt Potenzial, aber kaum sichtbare Wirkung.
Seit über zehn Jahren gibt es AR-Brillen für die Industrie. Spannende Funktionen, beeindruckende Technik, und doch begegnet man diesen Geräten nur sehr selten im praktischen Einsatz. Woran liegt das?
Augmented Reality in der Industrie gilt als Schlüsseltechnologie der digitalen Transformation. Mit AR-Head-Mounted Displays (AR-HMDs) lassen sich Informationen direkt ins Sichtfeld projizieren, ideal für Anwendungsfälle wie Montage, Wartung, Schulung oder Remote Support.
Doch trotz vielversprechender Ansätze und technischer Fortschritte sind AR-Brillen im industriellen Alltag nach wie vor die Ausnahme.
Die Gründe dafür sind vielfältig.
Kosten:
AR-Brillen sind schnell mehrere Tausend Euro teuer – und selten bleibt es bei einem Gerät. Hinzu kommen individuelle Softwareentwicklungen und nur wenige echte Erfolgsgeschichten. Das ist eine hohe Einstiegshürde für viele Unternehmen.
Leistung:
Kurze Akkulaufzeiten, ein begrenztes Sichtfeld und fehlende Rechenleistung erschweren den dauerhaften Einsatz in Produktion und Fertigung.
Komfort:
Mit einem Gewicht von teils über 0,5 Kg sind aktuelle AR-HMDs für längere Einsätze unpraktisch. In Kombination mit Schutzbrillen oder Helmen können ergonomische Probleme entstehen.
Bedienung:
Gestensteuerung und Sprache wirken zwar modern, sind aber fehleranfällig und erfordern eine Schulung. Standard-Apps sind selten, meist muss individuell entwickelt werden, was die Kosten weiter erhöht.
Abstraktion:
Für viele potenzielle Anwender bleibt das Thema zu theoretisch. Zahlreiche AR-Pilotprojekte sind im Sande verlaufen, obwohl die Vorteile klar auf der Hand liegen.
Denn richtig eingesetzt, birgt Augmented Reality enorme Mehrwerte:
- Schnellere Wartung und Instandhaltung durch Remote Assist
- Geringere Fehlerquoten durch positionsgenaue Schritt-für-Schritt-Anleitungen
- Hands-free Informationen direkt im Sichtfeld der Mitarbeitenden
- uvm.
Unsere Empfehlungen aus der Praxis
Wir von AUNOVIS beobachten den Markt aufmerksam. Denn obwohl AR immer wieder vor Hürden steht, geht die Entwicklung weiter. Softwareseitig. Hardwareseitig. In unserem Inno-Lab im Karlsruher HQ testen wir regelmäßig Geräte wie die (nicht mehr erhältliche) HoloLens 2, die Magic Leap und andere AR-Brillen für den industriellen Einsatz.
Wohin geht der Trend? Wer wird sich durchsetzen? Wird AR in einigen Jahren unverzichtbar sein?
Das wissen wir nicht. Aber wir würden es begrüßen.
Was wir hingegen wissen, ist: Eine wirklich nützliche AR-Brille für den industriellen Einsatz braucht vor allem Pragmatismus.
- Statischer Raum-Scan:
Ein Modus, in dem das Room Mesh nicht permanent ergänzt wird, entlastet die Hardware. Eine gute Kalibrierung des aktuellen Umfelds genügt. - Visier statt Brille:
AR-HMDs sollten so konzipiert sein, dass sie mit Korrektur- und Schutzbrillen tragbar sind. - Verzicht auf Eye-Tracking:
Eye-Tracking kann zwar elegante Lösungen ermöglichen, ist aber verzichtbar. Das Gerät benötigt somit weder IR-LEDs, die die Augen des Nutzers permanent bestrahlen, noch Sensoren bzw. Kameras, die die Augen filmen, um die Blickrichtung zu erkennen. Kosten und Energieverbrauch sinken. Die Performance steigt. - Einfacher Mono-Lautsprecher:
Für den industriellen Einsatz reicht ein zentraler Lautsprecher völlig aus. Wer Raumklang benötigt, kann Kopfhörer verwenden. Dadurch gewinnt die Hardware Raum für wichtigere Komponenten, beispielsweise für die Temperaturregelung.
Fazit
Eine AR-Brille für Industrie 4.0 muss nicht alles können. Aber sie muss zuverlässig, ergonomisch und nützlich sein. Nur dann wird sie von Mitarbeitenden im Alltag akzeptiert.
Und die Software? Nun, das ist unser Ziel:
Wir bringen Augmented Reality vom Pilotprojekt in den produktiven Einsatz. Mit maßgeschneiderter AR-Software für Produktion, Wartung und Schulung schaffen wir echten Mehrwert für die Industrie.
Denn sobald AR-Brillen in der Industrie so selbstverständlich sind wie Smartphones, werden sie einen festen Platz in Fertigung und Service einnehmen.
Bis es so weit ist, gilt es, zu testen, zu lernen und zu verbessern. Und die Realität Schritt für Schritt an die Erwartungen des Marktes heranzuführen.

Autor:in
Karl Martin begeistert sich für immersive Technologien und die Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine.
Bei AUNOVIS bringt er seine Expertise als Softwareentwickler und XR/AR-Experte ein und gestaltet digitale Erlebnisse, die weit über klassische Anwendungen hinausgehen. Mit einem Studium in Interactive Media Design und über einem Jahrzehnt praktischer Erfahrung in den Bereichen XR, AR und VR, beherrscht er die Entwicklung von Soft- und Hardwarelösungen bis ins Detail. Sein Motto: „Every thing is an interface“ – denn gut gestaltete Technologie kann komplexe Prozesse ebenso wie alltägliche Aufgaben elegant unterstützen und effizienter machen.